Do. 04.10.07 / Blue Shell / 21.00

HOBOTALK

NeoFolk aus Schottland

Eine Wohnung, nicht übermäßig groß und offensichtlich kein Design-Penthouse, aber urig & sichtbar bewohnt. Halbvolle Teetassen warten neben halbleeren auf ein Bad in der Spüle, ein Stapel Altpapier denkt intensiv übers Umkippen nach, und im Hintergrund fragt sich ein eigentlich schon längst pensionierter Kassettenrekorder zum x-ten Mal, wieso der technologische Fortschritt eigentlich gerade um den Haushalt einen Bogen machen musste, dessen Vorstand ihn damals auf dem Flohmarkt adoptiert hat. Er hat seine liebe Mühe und Not, ein völlig durchgenudeltes Tape unter einer Schicht aus Staub und aufgeschobener Post einigermaßen gleichmäßig ertönen zu lassen. „Harvest“ vielleicht, „Closing Time“ oder „Blue“. Auf dem ungemachten Bett hat es sich ein Mann mit Filzhut, Bart und Gitarre gemütlich gemacht. Er lauscht der Musik, greift ab und an in die Saiten, singt und klampft ein paar Takte mit. Leicht abwesend wirkt er, pendelnd zwischen Schwelgen und Grübeln, als würde er sich alte Fotos anschauen. Irgendwann das Heureka. Der Mann schwingt sich auf, plötzlich wirkt er zielgerichtet. Nicht hastig, aber mit der Ruhe desjenigen, der weiß, was und warum er es in diesem Moment zu tun hat, greift er sich Zettel und Stift und beginnt zu schreiben.
Es ist die klassische, lapidare, manchmal gar wahre Vorstellung des Songwriters. Bloß, wieso, wenn es doch dem Mythos nach mehr solche Typen als myspace-Seiten gibt, funktioniert es so selten? Wieso gibt es nur einen Nick Drake, einen Bob Dylan, eine Emmylou Harris? Was trieb Kritiker dazu, Hobotalks Erstling „Beauty In Madness“ für den Mercury Prize vorzuschlagen und vor seinem Quasi-Comeback „Notes On Sunset“ in die Knie zu gehen, um ihn noch weiter zu erhöhen?
Die Antwort ist wohl ähnlich simpel und direkt wie Pilleys Herangehensweise ans Musikschaffen: Ein richtig guter Singer/Songwriter singt so, dass man ihm zuhören will. Und er kann eben richtig gute Songs schreiben.
Lauscht man „Homesick for Nowhere“, versteht man, weshalb sich eine ganze Flotte Musiker in den Beifall der Kritik einreihte und sich in den Dienst dieser Stimme, dieser Songs, dieser Platte gestellt hat. Sie sorgen ihrerseits dafür, dass das neue Werk des schottischen Vierers im Vergleich zum Vorgänger „Notes On Sunset“ opulenter wirkt, ohne dass sich da jemand aus der Gästeschar in den Vordergrund schummeln wollte. Wozu auch? Handelt es sich doch bei Chris & Carla (Walkabouts und, tja, Chris & Carla), Mike Scott (Waterboys) oder Michael Weston King – und das sind wirklich nur ein paar – beileibe nicht um Musiker, die sich noch einem Geltungsdrang unterwerfen müssten, geschweige denn wollten. Und so bleibt die Platte ein ureigenes Hobotalk-Werk, getragen von einem unaufdringlichen, präzisen Bass und einer grandios abwechslungsreichen wie vielfältigen Schlagzeug- und Percussionsarbeit, geadelt durch die wirklich unglaubliche Stimme Pilleys und ausstaffiert durch eine ganze Armada an Instrumenten wie Ukulele, Mundharmonika, Streichern, Orgeln etc.
Das Cover versteckt sich hinter einer Art durchsichtiger Barock-Tapete mit titelthematisch passender, abgestempelter Briefmarke. Es wirft einen Blick über die Schultern Marc Pilleys, hier dargestellt als hätte der Zeichner der späten Joni Mitchell-Platten die Rückseite von Van Goghs Selbstportrait entwerfen wollen. Aber das seht Ihr ja selbst. Stimmig ist das, erlaubt der Hobotalk-Frontmann doch mit „Homesick for Nowhere“ erneut einen so direkten wie diskreten Einblick in seine Sichtweise auf die großen, unabnutzbaren Themen Liebe und Leben, Verlust und Weitermachen, Licht und Schatten. Zudem ein Angebot zum Zirkel- und Schulterschluss, sagte Pilley doch einst, er wolle, dass seine Stimme so klänge, als sänge er direkt über die Schultern des Zuhörers.
Hobotalk zu hören kann einem das „Alles wird gut“-Gefühl zurückgeben, das man seit Zudecken und Gute Nacht-Küssen verschüttet und durch Nina Ruge und die AXA Altersvorsorge endgültig beerdigt glaubte. „Homesick for Nowhere“ taugt ebenso zum sich Reinmuckeln wie zum Fünfe gerade sein Lassen. Mal Heizdecke, mal Hängematte. Immer famos.
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Die Presse: Das große Schwelgen. Zum Vorgängeralbum:“Eine Platte, die jeden begeistern wird, der ein Herz hat für herrlich melodiöse, sparsam instrumentierte, entspannt dahin fließende Songs.”
MUSIKEXPRESS
„Ein Hauch verträumter Americana, ein Hauch Hippie-Folk a la Crosby & Nash, das alles aber mit einer zutiefst nordeuropäischen Melancholie dargeboten: So meldet sich Hobotalk selbstbewusst zurück und wird Fans von Midnight Choir oder The Walkabouts endgültig auf ihre Seite ziehen. Ein schmeichelndes, unspektakulär romantisches Album.“
STEREO (4****)
„...ein himmlisches Stück Musik, das nur alle paar Jahre auf die Erde fällt. Vor allem die Stimme des Gitarristen und Songwriters Marc Pilley lässt das Kleine und Unbedeutende groß klingen. Ein Welt umarmendes, souliges Timbre, das die Schönheit stets im Nebensächlichen findet. Wie verschwendete Sommertage klingen Hobotalk, wie Zeitlupenaufnahmen des schönen Lebens. In diesem Rhythmus soll die Welt sich drehen.“
FAZ
„Ein großer Songschreiber! Pilley weiß, dass er sich auf seine Melodien verlassen kann. Bevor Sie wieder fünf Jahre auf so unprätentiösen, sehnsuchtsvollen Folkpop warten müssen, handeln Sie jetzt. Kaufen Sie ein kleines Stück von Marc Pilleys Herz. Er hat bestimmt noch genug davon übrig.“
ROLLING STONE, 4****
„Unaufgeregt, aber sauschön.“
INTRO
„Stilsicher Songs zwischen Americana und englischem Folk. Garantiert hoher Wohlfühlfaktor.“ VISIONS
„Es braucht keine zweieinhalb Minuten, und schon ist man ‚Notes On Sunset’ (...) gründlich und auf Dauer erlegen. Eines der Alben des Jahres, das kann man jetzt schon sagen.“
KÖLNER STADTANZEIGER„...wie Neil Young, circa Harvest; wie der US-Westküsten-Folkrock von zum Beispiel Crosby, Stills & Nash und America; wie der wohltemperierte Akustikgitarren-Pop, der in den achtziger Jahren auf dem schottischen Postcard-Label erschienen ist (kann sich noch jemand an Aztec Cameras sensationelles Album High Land Hard Rain erinnern?) Kurz: Hobotalk lassen ihrem hochgelobten Debütalbum Beauty In Madness mit Notes On Sunset eine Platte folgen, die jeden begeistern wird, der ein Herz hat für herrlich melodiöse, sparsam instrumentierte, entspannt dahinfließende Songs. Master Pilley erzählt uns auf Notes On Sunset vom Life Amongst The Graves, liest aus dem Book Of Life und aus dem Letter For A Friend, bittet Give Your Heart und fleht – im Opener Little Light – Help me be a better man. Würden wir gerne tun, aber: Wer solch schöne Songs wie Marc Pilley zu schreiben vermag, Songs für Liebesbriefschreiber, Teetrinker, Im-Regen-spazieren-Geher und Sonnenuntergangs-Anhimmler, also für heillose Romantiker, kann gar kein schlechter Mensch sein.“
MUSIKEXPRESS